Termin: 15:00 Uhr

Bericht von der Führung durch die Sehitlik-Moschee

Foto: Susanne Lippert

Das schöne und beeindruckende weiße Gebäude mit dem Kuppelbau, der von zwei ca. 34 Meter hohen Minaretten gesäumt wird, fällt ins Auge, wenn man den Columbiadamm zwischen Hasenheide und dem ehemaligen Flughafen Tempelhof entlang fährt oder geht. Die Moschee ist Teil eines Baukomplexes, der zum Zeitpunkt der Führung noch nicht ganz fertig gestellt war; das Gemeindezentrum, welches sich noch im Rohbau befindet, ist in seiner Fertigstellung wie auch die anderen Gebäude auf Spenden angewiesen.

Bereits im Jahr 1866 wurde der türkischen Gemeinde Berlins von Wilhelm I. ein Stück Land vom Tempelhofer Feld als Begräbnisstätte übereignet. Ende 1866 wurde der Friedhof eingeweiht, auf dem Muslime verschiedener Nationen beigesetzt wurden. Die Grabsteine des Friedhofes, auf dem auch im Ersten Weltkrieg getötete türkische Soldaten beigesetzt wurden, sind reihenweise nach Mekka ausgerichtet. Die Moschee im osmanischen Stil wurde von 1999 bis 2005 erbaut und löste ein kleines Andachtsgebäude im orientalischen Stil aus den Jahren 1921/22 ab. Man betritt das Gebäude über eine zweigeteilte Freitreppe; vor dem Eingang zum großen Gebetsraum werden die Schuhe abgelegt. Der leuchtend türkisblauen Teppichboden weist waagrecht angeordnete Verzierungen auf, die es den Betenden erleichtern sollen, sich in geordneten Reihen niederzulassen.

Etwa eine Stunde oder länger saßen wir im Gebetsraum und wurden über die Innenausstattung der Moschee sowie über den Islam allgemein und muslimische Bräuche informiert, während wir die Umgebung auf uns wirken lassen konnten, wie die leuchtend weißen Marmorwände mit den kobaltblauen, mit Blattgold und Kalligrafieelementen durchsetzten Ornamenten. Die Kalligrafie wurde im Islam zu einer hoch geschätzten Kunst entwickelt. An der über 15 Meter hohen Kuppeldecke des großen Gebetsraumes hängt ein gewaltiger Leuchter, der ebenfalls mit Kalligraphie verziert ist. Durch die mit bunten Mosaikscheiben versehenen Spitzbogenfenster fällt das Sonnenlicht; alles in Allem vermittelt der helle und farbenfrohe Innenraum eine freundliche Ästhetik; man fühlt sich eingeladen und zum Verweilen und fasziniertem Betrachten animiert.

Nach dem spannenden Vortrag, dem sich eine ausführliche Fragerunde anschließt, bekommen wir Gelegenheit, weitere Einzelheiten des Gebetshauses auf eigene Faust zu erkunden. Wir drehen zunächst unsere langsamen Runden durch den großen Gebetsraum im ersten Obergeschoss und betrachten Fenster, Wände, Säulen, Kanzel und prachvoll verzierte Schränke nochmals ausführlich, lassen die eindrucksvolle Ästhetik dieses Gotteshauses weiter auf uns wirken. Über eine schmale Treppe gelangt man auf die Galerie, die von den Frauen als Gebetsraum genutzt wird. Auch hier empfängt uns durch ein großes buntes Fenster scheinendes Sonnenlicht. Wir verlassen das Gebäude über die Freitreppe, ziehen die Schuhe wieder an und sind voller Eindrücke über eine Kultur, die in unserer Stadt schon lange heimisch geworden ist. Leider wurden auf dieses schöne Bauwerk bereits vier Brandanschläge verübt – glücklicherweise alle, ohne nachhaltigen Schaden zu verursachen.

Weitere Informationen und Bildmaterial finden Sie auf der <link http: www.sehitlik-camii.de external-link-new-window>Webseite der Sehitlik-Moschee.