Einladung zur Bezirksgruppe am 02. März 2009
Unsere nächste Bezirksgruppe findet am 02. März 2009 um 19 Uhr in unserer <link internal-link>Geschäftsstelle statt. Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Sitzung liegt auf dem Thema Ethnische Ökonomie. Dazu konnten wir Jana Taube als Referentin gewinnen, die eine empirische Untersuchung zur Ethnischen Ökonomie in Neukölln unter besonderer Berücksichtigung afrikanischer Frauen gemacht hat.
Daneben soll es um den Weiterbau der A100 nach Treptow sowie um die Nachbereitung der <link internal-link>Neuköllnkonferenz gehen. Alle Interessierten sind wie immer herzlich eingeladen!
Zum Thema Ethnische Ökonomie:
"Ethnische Ökonomie" ist ein Begriff, der weder ganz eindeutig noch unproblematisch ist: Er bezeichnet das Phänomen selbständiger Arbeit von Immigranten, bei der zumeist der Bezug zum Herkunftsland und die Beschäftigung von Menschen aus dem Herkunfstland mit einhergehen. Ein typisches Beispiel wäre ein Laden für arabische Lebensmittel und Haushaltswaren, betrieben von einer Person aus dem Libanon, die wiederum überwiegend Libanesinnen und Libanesen bei sich beschäftigt. In der Stadtforschung sowie in populären Veröffentlichungen zum Thema können auch leicht abweichende Definitionen gegeben werden.
Problematisch ist der Begriff in mindesten zweierlei Hinsicht: In den USA, wo der Begriff entwickelt wurde, wird Selbständigkeit durchweg positiv gesehen. Man verbindet damit die Vorstellung vom selfmade-man. In Deutschland wird dagegen in vielen Studien die Selbständigkeit von Migrant_innen als eine mögliche Reaktion auf den Ausschluss vom Arbeitsmarkt erkannt. Um in dem Beispiel zu bleiben: Der Studien- oder Berufsabschluss eines Menschen aus dem Libanon wird in Deutschland fast nie anerkannt, eine sozialversicherungspflichtige Anstellung wäre daher nur in einer unqualifizierten Tätigkeit möglich. Gerade für die geringqualifizierten Menschen werden die Arbeitsplätze aber immer weniger. Ein Geschäft zu eröffnen, dabei Kontakte in das Herkunftsland zu nutzen und die eigene Community als Kund_innen zu bedienen, ist ein Ausweg aus dieser prekären Situation, in die das deutsche Ausländer_innengesetz viele Menschen erst bringt.
Die Hoffnungen, die zum Teil mit der "ethnischen Ökonomie" verbunden werden: eine Belebung der Ökonomie im Quartier oder Stadtteil, können die tatsächlich vorhandenen Firmen und Läden zumeist daher nicht erfüllen. Was eigentlich ein letzter Ausweg aus der Arbeitslosigkeit und den Demütigungen auf den Ämtern ist: der eigene kleine Laden, sollte als genau das angesehen werden - und nicht als eine Innovation. Dennoch haben diese Läden und Firmen wichtige Funktionen für die Integration. Darüber wird uns Jana Taube berichten.
Der zweite problematische Punkt ist, dass der Begriff in Deutschland eher negativ konnotiert ist: Ein IT-Unternehmen würde nie unter den Begriff gefasst, auch wenn der Chef Ausländer und das Team interational besetzt ist. Da ist dann der Begriff "Globalisierung" scheinbar angemessener.
Unsere Treffen sind wie immer öffentlich. Wir behalten uns jedoch vor, von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
