Einladung zur Veranstaltung zur Umbenennung der Wissmannstrasse
Wir laden Anwohner_innen und interessierte Neuköllner_innen ein, über folgende Themen zu diskutieren: Warum müssen wir uns mit der deutschen Kolonialgeschichte auseinandersetzen? Wie geht eine Straßen-Umbenennung vor sich, was kostet sie und welche Belastungen kommen auf die Anwohner_innen zu?
Zeit: am 06. Juni 2007 um 19 Uhr
Ort: Werkstatt der Kulturen, Wissmannstraße 32
Mit:
- Fulgence Kisalya (Umoja wa Watanzania/Berlin, Vereinigung der Tansanier in Berlin)
- Reiner Pomp (Historiker und Verfasser des Gutachtens über Wissmann im Auftrag des Bezirksamtes Neukölln)
- Martin Kupfer (Verwaltungsjurist, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
Die deutschen Kolonien in Afrika - ein weitgehend unbekanntes Kapitel in der deutschen Geschichte
Die Geschichte des deutschen Kolonialismus spielt weder im Schulunterricht noch in der öffentlichen Diskussion über unsere Geschichte irgendwo eine Rolle. Kaum einer weiß, wo und wie lange Deutsche Kolonien in Afrika bestanden. Erst Recht wissen die wenigsten, was dort vorgegangen ist. Da es nie eine Wiedergutmachung der Deutschen Kolonialmacht für Landnahmen, Zerstörungen, Misshandlungen und Morde gegeben hat, setzen wir uns ein für das, was auf der politischen Ebene des Bezirks möglich ist: Eine symbolische Geste, die zum Ausdruck bringt, dass wir um das Unrecht wissen, das <link http: de.wikipedia.org wiki hermann_von_wissmann external-link-new-window>Hermann von Wissmann (1853-1905) unter anderem während seiner Zeit als Gouverneur von <link http: de.wikipedia.org wiki deutsch-ostafrika external-link-new-window>Deutsch-Ostafrika begangen hat, und dass wir ihm die Ehre absprechen, die ihm frühere Generationen leider erwiesen haben.
Aus diesem Grund hätte die Umbenennung der Straße allein, ohne dass Informationen über Wissmann aufgearbeitet werden, ohne dass über die Kolonialgeschichte Deutschlands in Afrika gesprochen wird und ohne dass die Tansanier_innen, für die Wissmann und sein Wüten in ihrem Land bis heute Bedeutung hat, zu Wort gekommen wären, wenig Sinn. Das wäre ein reiner Verwaltungsakt mit einer sehr eingeschränkten Symbolwirkung: Ein paar, die am Hebel sitzen, haben verstanden – mehr nicht.
Andererseits können aber Information und Auseinandersetzung darüber, wie die deutsche Kolonialzeit in Tansania bis heute wirksam ist, sowie darüber, wie sehr die deutsche Kolonialherrschaft in Tansania hier vergessen und verdrängt ist, nicht ohne jede politische Konsequenz bleiben – das wäre eine erneute Verletzung der damaligen Opfer.
Aus dem Wissen und der Erinnerung müssen – das ist nur menschlich – irgend welche sichtbaren Konsequenzen gezogen werden. Wir können ihnen hier im Bezirk, im Rahmen unserer Möglichkeiten, aber stellvertretend für die damaligen Deutschen, ohnehin nicht mehr anbieten als dies: Den Namen eines Mannes vom Straßenschild zu tilgen, der so viel Leid über sie und ihre Nachfahren gebracht hat, weil der sie als Menschen missachtete und sie unterwerfen wollte mit dem erklärten Ziel, ihr Land und ihre Arbeitskraft für das damalige Deutsche Reich auszubeuten.
Eine Straßenumbenennung bedeutet Kosten für die Kommune, in diesem Fall für den Bezirk Neukölln und Kosten sowie Umstände für die Anwohner_innen der Straße, die umbenannt wird. Deshalb sollte man einen solchen Schritt nur dann tun, wenn die Kosten gegen den ideellen Gewinn abgewogen worden sind: Straßennamen sind eine hohe Auszeichnung nicht nur für die Namensgeber_innen, sondern auch für die Stadt und den Bezirk. Wer aber mehr über die Geschichte des Kolonialismus in Tanzania weiß und wer weiß, was Wissman getan hat, wird ihm seine Auszeichnung nicht lassen können. Mit der Umbenennung können wir Verantwortung für einen Teil unserer Geschichte übernehmen. Das ist die Kosten wert.
Weitere Informationen finden Sie unter:<link http: www.majimaji.de> www.majimaji.de und <link http: www.tanzania-network.de>www.tanzania-network.de
