Hörberatungsstelle erhalten!
In der Bezirksverordnetenversammlung vom 28. April 2010 stellte unsere gesundheitspolitische Sprecherin Gabriela Gebhardt den Antrag "Das Bezirksamt wird gebeten, sich dafür einzusetzen, die bewährte Frühförderung für hörbehinderte Kinder am Standort Britz zu erhalten."
Der Antrag wurde frakionsübergreifend angenommen, zur einer öffentlichen Aussprache kam es leider nicht. Wir dokumentieren daher hier die vorbereitete Rede von Gabriela Gebhardt:
Sehr geehrter Herr Vorsteher, sehr geehrte Damen und Herren,
auch wenn wir die Hörberatungsstelle nach Kreuzberg-Friedrichshain abgeben mussten, so fühlen wir uns doch weiterhin verbunden und kämpfen für den Erhalt der sinnesspezifischen Frühförderung in der Hörberatungsstelle.
Die Beratungsstelle bietet in einem niederschwelligen Angebot eine umfassende altersgerechte Hördiagnostik, sinnesspezifische Frühförderung und Betreuung im interdisziplinären Team und Beratung der Eltern in sozialhilferechtlichen Fragen an. Diese Arbeit beruht auf jahrzehntelange Erfahrung und ist eng vernetzt mit dem Cochlear Implantat Centrum, sowie weiteren öffentlichen und privaten Trägern.
Im Zuge der ÖGD-Reform und der Fusion mit Kreuzberg-Friedrichshain wurde Personal gekürzt, fielen Räumlichkeiten weg und damit auch Untersuchungsangebote (Gleichgewichtsuntersuchungen!!!). Jetzt soll auch die sinnesspezifische Frühförderung ausgegliedert werden.
Die sinnesspezifische Frühförderung ist ein pädagogisches Konzept, das unlösbar mit der ganzheitlichen Berachtungsweise und der individuellen Entwicklungsförderung eines hörbehinderten Kindes innerhalb seiner Familie und seines Lebensraumes verbunden ist. Alle Angebote werden auf den individuellen Förderbedarf und Entwicklungsstand des Kindes sowie auf den ganz individuellen Bedarf an Hilfe zur Selbsthilfe innerhalb der Familie abgestimmt.
Die Senatsverwaltung plannt die Auslagerung der sinnesspezifischen Frühförderung an Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) oder an die Fachambulanz für Auditiv Verbale Erziehung (AVE) in Berlin-Buch.
In den SPZ werden nur allgemeine Frühförderung und Betreuung angeboten, die schon jetzt durch bestehende Überlastung die Bedürfnisse vieler Kinder nicht adäquat befriedigt werden können. Das Angebot der Fachambulanz Berlin-Buch ist einzig auf das Ziel ausgerichtet, den hörbehinderten Kindern dabei zu helfen, Sprechen durch Hören zu lernen. Kinder, die um zu kommunizieren auf die Gebärdensprache angewiesen sind, werden dabei nicht berücksichtigt. Im Gegensatz zu Berlin-Buch verfügt die Hörberatungsstelle über eine gebärdsprachkompetente Mitarbeiterin!
Sehr geehrte Damen und Herren, ich sehe einen weiteren Abbau von Leistungen für Familien mit hörgeschädigten Kindern. Aber alle Familien, egal aus welchem Bezirk sie kommen, sind mit einem hörbehinderten Kind erst einmal komplett überfordert und brauchen kontinuierliche Ansprechpartner_innen aus Medizin, Pädagogik und Sozialarbeit, um ihre Kinder optimal fördern zu können. Das Modell in Neukölln bietet ein gutes strukturiertes Netzwerk, stärkt und entlastet Familien.
Ich bitte darum, sich für den Erhalt der Frühförderung in der Beratungsstelle einzusetzen und bestehende Strukturen mit ihren kurzen Wegen zum Wohle der hörbehinderten Kinder nicht zu zerstören.
Ich danke Ihnen!
