Kleine Anfrage (KA/018/XIX): Ernährung der Neuköllner Kinder und Jugendlichen
Fragestellerin: Michel, Catherine
Eingang: 15. Mai 2012
Beantwortet: 04. Juni 2012
Ernährung der Neuköllner Kinder und Jugendlichen
- Wie hoch ist der Anteil bei den Schuleingangsuntersuchungen übergewichtiger/adipöser Kinder in Neukölln (Bitte Angaben in Zahlen und Prozent)?
- Inwiefern und in welcher Form werden die Kita-/Schulleitungen von Bezirksamtsseite bei der Implementierung von Programmen für gesunde Ernährung unterstützt?
- Existieren Mechanismen/Instanzen, um die Catering-Firmen zu kontrollieren, ob diese den DGE-Qualitätsstandard für Schulverpflegung einhalten und wenn ja, welche?
- Wie viel Prozent beträgt der Anteil von regionalen und Produkten aus kbA an dem in Neuköllner Schulen angebotenen Mittagessen?
- In wie vielen der Schulen mit warmem Mittagsangebot werden Schülerinnen/Schüler und/oder Eltern in die Planung des Angebots mit einbezogen?
- An wie vielen Schulen gibt es Lehr- bzw. Übungsküchen?
- Wie viele Schulen bieten Koch-AGs an?
Antwort des Bezirksamtes:
Zu 1. Wie hoch ist der Anteil bei den Schuleingangsuntersuchungen übergewichtiger/adipöser Kinder in Neukölln (Bitte Angaben in Zahlen und Prozent)?
Die im Folgenden genannten Werte hinsichtlich übergewichtiger und adipöser Kinder wurden anhand der Grundauswertung der Einschulungsdaten in Berlin 2011 ermittelt.
Übergewichtige und adipöse Einschüler 2011
(nach Kromeyer-Hausschild)
| Prozentwert | Anzahl | |
| Anzahl Kinder gesamt | 100,00% | 2423 |
| davon übergewichtig | 8,70% | 211 |
| davon adipös | 6,40% | 155 |
| Summe | 15,10% | 366 |
Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen wird hierfür der Body Mass Index der Einschülerinnen und Einschüler berechnet (Formel BMI = Gewicht [kg] / Körpergröße [m]2).
Für Kinder und Jugendliche werden hier nicht wie für Erwachsene einheitliche BMI-Grenzwerte festgelegt, sondern BMI-Normwerttabellen entwickelt, ab denen das Kind als übergewichtig oder adipös bezeichnet wird.
Das Verfahren hierfür wird in der Grundauswertung der Einschulungsuntersuchungen von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales wie folgt beschrieben: Es werden in Deutschland üblicherweise die Referenzwerte von Kromeyer-Hauschild entsprechend der Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Adipositas (AGA) angewendet, die aus Daten verschiedener Studien in unterschiedlichen Regionen Deutschlands aus dem Zeitraum 1985-1999 stammen.
Seit dem Einschulungsjahrgang 2007 werden hier statt der veröffentlichten Referenzwerte in halbjährlichen Abständen die monatsgenauen Tabellen (persönliche Mitteilung Prof. Kromeyer- Hauschild) verwendet.
Zu 2. Inwiefern und in welcher Form werden die Kita-/Schulleitungen von Bezirksamtsseite bei der Implementierung von Programmen für gesunde Ernährung unterstützt?
Die Kita- und Schulleitungen werden bei der Etablierung einer gesunden Ernährung durch das „Landesprogramm für die gute gesunde Schule“ und die „Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin e.V.“ unterstützt.
Das „Landesprogramm für die gute gesunde Schule Berlin“ hat das übergreifende Ziel, die teilnehmenden Regionen und Programmschulen bei der Verbesserung ihrer Schul- und Bildungsqualität durch Investitionen in gesundheitsfördernde Maßnahmen zu unterstützen. Gemäß dem Motto „Bildung und Gesundheit gehen Hand in Hand“ stehen Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften, schulischen Mitarbeitern und Führungskräften zahlreiche Angebote in den Themenfeldern Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und Suchtprophylaxe zur Verfügung. Ein Beispiel ist das Unterrichtsprogramm „Bauchgefühl“, bei dem es darum geht, durch das Aufgreifen des Themas „Essstörungen“ im Unterricht und im Schulalltag ein gesundes Essverhalten, eine positive Einstellung zum eigenen Körper und eine Stärkung des allgemeinen Selbstwertgefühls zu erreichen. Der Bezirk Neukölln ist seit dem Schuljahr 2006/07 Programmregion; zur Zeit nehmen insgesamt 21 Neuköllner Grund- und Oberschulen daran teil.
Die am Standort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in der Bernhard- Weiß-Straße angesiedelte „Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin e.V.“ konzentriert sich darauf, eine qualitativ hochwertige und gesundheitsfördernde Gemeinschaftsverpflegung von Kindern und Jugendlichen sowie eine darauf aufbauende Ernährungs- und Verbraucherbildung zu fördern. Dazu erarbeitet sie Konzepte zur Einführung, Qualitätsverbesserung und Erhöhung der Akzeptanz schulischer Verpflegung, führt Informations- und Fortbildungsveranstaltungen durch (z.B. „Berliner Aktionstage Schulverpflegung, Oktober 2011), verbreitet Informationsmaterial und bietet den Akteuren Foren für Kommunikation und Informationsaustausch (z.B. die „Werkstätten Ernährungs- und Verbraucherbildung in Berliner Ganztagsschulen“). Schulen und Einzelpersonen können über die Website www.vernetzungsstelle-berlin.de Kontakt aufnehmen, Beratungstermine vereinbaren und vielfältiges Informationsmaterial herunterladen.
Zu 3. Existieren Mechanismen/Instanzen, um die Catering-Firmen zu kontrollieren, ob diese den DGE-Qualitätsstandard für Schulverpflegung einhalten und wenn ja, welche?
Zunächst einmal nehmen vorrangig die jeweiligen Schulen vor Ort die Kontrolle und Überprüfung der Caterer selbst vor.
Zudem sind die Caterer vertraglich verpflichtet, sich beim Speisenangebot an den Empfehlungen der optimierten Mischkost nach den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu orientieren. Mindestens einmal im Schuljahr hat der Caterer auf eigene Kosten eine Prüfung der ernährungsphysiologischen Qualität seines Angebotes zu veranlassen und das Ergebnis dem Schulträger mitzuteilen.
Die nach DIN ISO zertifizierten Firmen unterliegen einem strengen Qualitätsmanagement. Eine Überprüfung des Qualitätsmanagementsystems erfolgt in regelmäßigem Wiederholungsaudits durch neutrale Gesellschaften zur Zertifizierung von Managementsystemen.
Die Caterer gewährleisten, dass die gesetzlichen Vorgaben der Lebensmittelhygieneverordnung eingehalten werden mit der Einrichtung eines Eigenkontrollsystems gemäß HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Points). Dies bedeutet eine lückenlose Kontrolle der Produkte und ein maximales Maß an Produktsicherheit für die Auftraggeber. Das HACCP-Konzept beinhaltet u. a. die regelmäßige Schulung derMitarbeiter, die Durchführung von bakteriologischen Kontrollen durch externe Unternehmen, die tägliche Zurückstellung aller Speisen über mehrere Tage - bei Bedarf Untersuchung, Einkauf übergerüstete und geprüfte Lieferanten. Die Produktionsstätten für die Mittagessenversorgung werden regelmäßig von externen Dienstleistern besucht und bei der Umsetzung der Standards unterstützt (es erfolgen unangemeldete Hygienebegehungen). Außerdem werden täglich schriftliche Qualitäts- und Quantitätskontrollen vor Ort durch das Ausgabepersonal gemäß dem Hygienekonzept (HACCP) durchgeführt.
Für regelmäßige unangemeldete Kontrollen in den Ausgabeküchen ist das Ordnungsamt, Fachbereich Verbraucherschutz zuständig.
Sofern sich Probleme oder Wünsche ergeben, werden diese direkt vor Ort zwischen der Schule und dem Caterer verhandelt. Sollte dies nicht erfolg versprechend verlaufen, wird der Schulträger als Auftraggeber der Essensversorgung informiert und entsprechende Verabredungen und Regelungen mit dem Caterer treffen. Gegebenenfalls können bestehende Verträge fristgemäß oder fristlos gekündigt werden.
Zu 4. Wie viel Prozent beträgt der Anteil von regionalen und Produkten aus kbA an dem in Neuköllner Schulen angebotenen Mittagessen?
Vertraglich ist mit allen Caterern vereinbart, dass grundsätzlich regionale Lebensmittel mit kurzen Transportwegen zu bevorzugen sind. Mindestens 20% der eingekauften Lebensmittel müssen aus ökologischer Landwirtschaft stammen. 10% des Fleisches bzw. der Fleischprodukte sollen aus artgerechter Tierhaltung stammen und sind auf dem Speiseplan auszuweisen.
Eine regionale Beschränkung bei der Auswahl der Essensanbieter ist aufgrund des bei der Ausschreibung vorgegebenen europaweiten Wettbewerbs ausgeschlossen.
Zu 5. In wie vielen der Schulen mit warmem Mittagsangebot werden Schülerinnen/Schüler und/oder Eltern in die Planung des Angebots mit einbezogen?
Grundsätzlich und vertraglich geregelt ist, dass der Caterer die Zubereitung des Essens in Absprache mit der leitenden Erzieherin der Schule bzw. der Schulleitung vornimmt. Zur Gewährleistung eines abwechslungsreichen und gesunden Speiseplanes sichert der Caterer eine täglich wechselnde Speisefolge zu und schließt Wiederholungen der Menüpläne innerhalb von vier Wochen aus. Auf Anweisungen und Vorgaben der Schule oder des Schulträgers im Rahmen der Verträge haben die Caterer sofort zu reagieren. Es wird grundsätzlich allen Schulen empfohlen, eine Essenskommission einzurichten. Die Zusammensetzung regelt die jeweilige Schule.
6. An wie vielen Schulen gibt es Lehr- bzw. Übungsküchen?
7. Wie viele Schulen bieten Koch-AGs an?
zu 6. und 7.:
Die nachfolgende Tabelle vermittelt eine Übersicht über die an Neuköllner Schulen eingerichteten Lehr- und Übungsküchen und angebotenen Koch-Arbeitsgemeinschaften:
| Lehr- bzw. Übungs- küchen | Koch-AGs | Planung für 2012/2013 | Zusatzinformationen | |
| Grundschulen | ||||
| 08G01 Rixdorfer Schule | 1 | 0 | ||
| 08G02 Theodor-Storm-Schule | 1 | 1 | zusätzlich 2 Kochkurse | |
| 08G03 Hans-Fallada-Schule | 1 | 0 | Küche wird für den WAT Unterricht genutzt | |
| 08G05 Elbe-Schule | 1 | 3 | ||
| 08G06 Karl-Weise-Schule | 1 | 0 | ||
| 08G07 Hermann-Boddin-Schule | 1 | 3 | ||
| 08G08 Karlsgarten-Schule | 0 | 0 | ||
| 08G09 Regenbogen- Schule | 0 | 1 | ||
| 08G10 Walt-Disney-Schule | 0 | 0 | ||
| 08G11 Schliemann-Schule | 1 | 0 | letzte Koch-AG lief bis Sommer 2009 | |
| 08G12 Peter-Petersen- Schule | 0 | 0 | ||
| 08G13 Bruno-Taut-Schule | 0 | 1 | Die Schule hat keine Lehrküche, es befinden sich aber zwei Herde in der Schule, die im Unterricht genutzt werden und vom Hort | |
| 08G14 Konrad-Agahd-Schule | 0 | 0 | ||
| 08G15 Hermann-Sander-Schule | 1 | 1 |
| temporäre AGs in der pädagogischen Freizeit |
| 08G16 Hugo-Heimann- Schule | 0 | 0 | ||
| 08G17 Richard-Schule | 2 | 2 | ||
| 08G18 Eduard-Mörike-Schule | 0 | 1 | ||
| 08G19 Hermann-Nohl- Schule | 1 | 1 | ||
| 08G20 Sonnen-Schule | 0 | 0 | ||
| 08G21 Silberstein-Schule | 0 | 0 | ||
| 08G22 Schule am Regenweiher | 0 | 0 | ||
| 08G23 Zürich-Schule | 1 | 1 | Hort macht Kochangebote | |
| 08G24 Schule am Teltowkanal | 0 | 0 | Die Schule am Teltowkanal hätte gerne eine Küche. | |
| 08G25 Michael-Ende-Schule | 1 | 0 | 1 Fachraum mit Herd + Ofen | |
| 08G26 Christoph-Ruden-Schule | 0 | 0 | ab 08/2012 eine Koch AG | |
| 08G27 Oskar-Heinroth-Schule | 0 | 0 | ||
| 08G28 Matthias-Claudius-Schule | 1 | 0 | 2 Kurse im Profilunterricht, jahreszeitliche Bäckereien, Koch- und Back AG des Hortes | |
| 08G29 Wetzlar-Schule | 0 | 0 | ||
| 08G30 Schule am Sandsteinweg | 1 | 1 | zusätzlich 2 Std.pro Woche Kochen für Klasse 5/6, 2 Std. pro Woche für Klasse 3/4 "Gute gesunde Schule" | |
| 08G31 Janusz-Korczak- Schule | 0 | 0 | ||
| 08G32 Martin-Lichtenstein-Schule | 1 | 1 | ||
| 08G33 Schule am Fliederbusch | 1 | 0 | ||
| 08G34 Lisa-Tetzner- Schule | 0 | 0 | ||
| 08G35 Schule an der Köllnischen Heide | 2 | 3 | ||
| 08G36 Löwenzahn-Schule | 0 | 0 | ||
| 08G37 Rose-Oehmichen- Schule | 0 | 0 | ||
| Gesamtanzahl Grundschulen | 19 | 20 | 0 | |
| Lehr- bzw. Übungs- küchen | Koch-AGs | Planung für 2012/2013 | Zusatzinformationen | |
| Gymnasien | ||||
| 08Y01 Albrecht-Dürer-Schule | 0 | 0 | ||
| 08Y02 Albert-Schweitzer- Schule | 0 | 2 | ||
| 08Y03 Albert-Einstein-Schule | 0 | 0 | ||
| 08Y04 Ernst-Abbe-Schule | 0 | 0 | ||
| 08Y05 Leonardo-da-Vinci-Schule | 0 | 0 | ||
| 08Y06 Hannah-Arendt-Schule | 0 | 0 | ||
| Gesamtanzahl Gymnasien | 0 | 2 | 0 | |
| Lehr- bzw. Übungs- küchen | Koch-AGs | Planung für 2012/2013 | Zusatzinformationen | |
| Sekundarschulen | ||||
| 08K01 Walter-Gropius-Schule | 1 | 1 | ||
| 08K02 Hermann-von- Helmholtz-Schule | 1 | 3 | ||
| 08K03 Otto-Hahn-Schule | 1 | 0 | Nutzen der Küche im Arbeitslehre- und Wahlpflichtunterricht | |
| 08K04 Heinrich-Mann- Schule | 1 | 1 | ||
| 08K05 Clay-Schule | 1 | 1 | ||
| 08K06 Fritz-Karsen-Schule | 1 | 3 | ||
| 08K07 Liebig-Schule | 1 | 1 | ||
| 08K08 1. Gemeinschaftsschule Neukölln | 1 | 0 | Nutzen der Küche im Wahlpflichtunterricht | |
| 08K08 (F) 1. Gemeinschaftsschule | 0 | 0 | ||
| 08K09 Röntgen-Schule | 1 | 2 | ||
| 08K10 Zuckmayer-Schule | 2 | 2 | ||
| 08K11 Alfred-Nobel-Schule | 2 | 3 | ||
| 08K12 Kepler-Schule | 1 | 1 | 1 | |
| Gesamtanzahl Sekundarschulen | 14 | 18 | 1 | |
| Lehr- bzw. Übungs- küchen | Koch-AGs | Planung für 2012/2013 | Zusatzinformationen | |
| Sonderschulen | ||||
| 08S01 Adolf-Reichwein-Schule | 1 | 0 | ||
| 08S02 Kielhorn-Schule | 1 | 0 | gemeinsame Lehrküche mit der 08K10, Küche wird im Arbeitslehre Unterricht genutzt und durch die Schülerfirma | |
| 08S03 Hermann-Nohl-Schule | 1 | 1 | ||
| 08S04 Schule am Zwickauer Damm | 1 | 2 | zusätzliche Nutzung der Küche durch 3 Schülerfirmen und Schüler im Fach Arbeitslehre | |
| 08S05 Schule am Hasenhegerweg | 1 | 0 | regelmäßige Nutzung der Küche im Rahmen des Unterrichts (WAT) und durch die Schülerfirma | |
| 08S06 Hans-Fallada- Schule | 1 | 0 | Küche wird für den WAT Unterricht genutzt und durch die Schülerfirma | |
| 08S07 Schule am Bienenwaldring | 1 | 0 | 2 x in der Woche berufsvorbereitender Lehrgang | |
| 08S08 Schilling-Schule | 1 | 0 | ||
| 08S09 Schule an der Windmühle | 1 | 1 | ||
| Gesamtanzahl Sonderschulen | 9 | 4 | 0 | |
| Lehr- bzw. Übungs- küchen | Koch-AGs | Planung für 2012/2013 | Zusatzinformationen | |
| Summe aller Schulen | 42 | 44 | 1 |
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Giffey
Bezirksstadträtin
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