Kleine Anfrage (KA/052/XVIII): Zustand der Bäume und Baumpflege im Bezirk

Fragesteller: Biele, Jürgen

Eingang: 08. November 2007

Beantwortet: 28. November 2007

 

Zustand der Bäume und Baumpflege im Bezirk

  1. Wie viele Straßenbäume werden im Bezirk jährlich gefällt und nachgepflanzt? (In den letzten drei Jahren?) Wie hoch ist die aktuelle Zahl der Straßenbäume im Bezirk?
  2. Ist die Anzahl der leeren Baumscheiben im Bezirk bekannt? Wenn ja, wie viele Baumscheiben sind unbepflanzt?
  3. Wird bei Baustellen die Umsetzung der DIN 18920 zum Schutz von Bäumen kontrolliert?
    1. Wenn ja, wie viel Prozent der Baustellen werden kontrolliert und wie häufig?
    2. Wie viele Bäume gehen durch den unsachgemäßen Umgang auf Baustellen jährlich den Bezirken verloren?
  4. Werden Baumpflanzung, Pflege und Kontrolle im Bezirk durch das eigene Personal durchgeführt?
    1. Wenn ja, wie viele Leute umfasst das Team?
    2. Soll das Personal in den nächsten Jahren weiter reduziert oder aufgestockt werden?
  5. In welchem Umfang wird die Baumpflanzung und –pflege durch externe Firmen durchgeführt?
  6. Werden Qualifizierungsseminare für die Mitarbeiter_innen bezüglich Baumpflege und -Kontrolle durchgeführt? Wenn ja, wie häufig?
  7. Wie viel finanzielle Mittel stehen dem Bezirk jährlich für die gesamte Grünflächenpflege zur Verfügung? Wie viel wird hiervon für Baumpflanzung und –pflege verwendet?
  8. Mit welchem Preis wird  die Baumpflanzung und -pflege durch eigenes Personal kalkuliert, pro Baum für 2-3 Jahre?
  9. Wie viel Mittel und Personal werden  benötigt, um die Defizite bei der Baumpflanzung und -pflege auszugleichen?
  10. Wie viele Bäume konnten aus Mangel an finanziellen Mitteln jährlich nicht nachgepflanzt werden?
  11. Wie hoch ist die Anzahl der Bäume, die durch private Spenden in den letzten drei Jahren finanziert wurden?
  12. Begrüßt das Bezirksamt das Engagement der Bürger_innen bei der Nachpflanzung von Bäumen? Entstehen hierbei Probleme, und wenn ja, welche?
  13. Werden Bürger_innen/Betroffenen über anstehende Fällungen und deren Gründe informiert?
    1. Mit welchen Mitteln werden die Bürger_innen informiert?
    2. Sind die Informationen zur Fällung öffentlich einsehbar?

 

Antwort des Bezirksamtes:

Sehr geehrter Herr Biele,

Ihren Fragenkatalog zum Zustand der Bäume und der Baumpflege im Bezirk Neukölln beantworte ich wie folgt:

Zu 1. Wie viele Straßenbäume werden im Bezirk jährlich gefällt und nachgepflanzt? (In den letzten drei Jahren?) Wie hoch ist die aktuelle Zahl der Straßenbäume im Bezirk?

Im Jahr 2004 gab es 249 Fällungen und 74 Neupflanzungen, 2005 wurden 294 Fällungen und 108 Neupflanzungen vorgenommen und 2006 waren es 331 Fällungen und 24 Neupflanzungen. Mit Datum vom 19. November 2007 wurden 20.472 Straßenbäume verzeichnet.

 

Zu 2. Ist die Anzahl der leeren Baumscheiben im Bezirk bekannt? Wenn ja, wie viele Baumscheiben sind unbepflanzt?

Derzeit sind ca. 300 Baumscheiben unbepflanzt.

 

Zu 3. Wird bei Baustellen die Umsetzung der DIN 18920 zum Schutz von Bäumen kontrolliert?

a. Wenn ja, wie viel Prozent der Baustellen werden kontrolliert und wie häufig?

b. Wie viele Bäume gehen durch den unsachgemäßen Umgang auf Baustellen jährlich den Bezirken verloren?

Es findet eine Kontrolle statt durch eine Mitarbeiterin mit ca. 25 Wochenstunden für Bearbeitung, Genehmigung und Baustellenkontrolle.

Abnahmen gab es in 2007 bisher für 56 Großbaustellen mit wochenlangen Aufgrabungstrassen sowie die Überwachung und Kontrolle von 573 Tagesbaustellen.

Im Moment werden angemeldete bzw. genehmigte größere Bauvorhaben regelmäßig kontrolliert, d.h. wöchentlich bzw. sofort bei Bedarf und nach Absprachen mit jeweiliger Bauleitung. Die Kontrolle der Tagesbaustellen und anderen zufällig entdeckten Baustellen wird als zu gering angenommen – eine prozentuale Einschätzung ist insofern nicht möglich.

Eine realistische Quantifizierung ist nicht möglich, da Schäden sich mitunter erst 10 bis 20 Jahre später zeigen können und die Ursachenforschung nicht im Detail erfolgen kann bzw. sich dadurch schwierig gestaltet. Zudem kann es bei unangemeldeten Baustellen oder Tagesaufgrabungen (Grube auf, Kabel/Rohr etc. rein, Grube zu) zu nicht erkennbaren Schädigungen kommen. Die Kontrolle dieser kann aufgrund Personalmangels bzw. durch verspätete Aufgrabungsmeldungen nur in ca. 30 % der Fälle erfolgen.

Durch Ersatzmaßnahmen bei erfolgten Schädigungen, welche auf Grund von zufälligen Kontrollen oder aber auch durch Hinweise der Baustellenleitung bekannt sind, können bereits entstandene Schäden oder aber Spätfolgen an ca. 30 Bäumen pro Jahr verhindert werden. In der Regel werden Sofortmaßnahmen (Nachschneiden von Wunden, Herstellung von Wurzelvorhängen etc.) von Fachfirmen ausgeführt.

 

Zu 4. Werden Baumpflanzung, Pflege und Kontrolle im Bezirk durch das eigene Personal durchgeführt?

a. Wenn ja, wie viele Leute umfasst das Team?

b. Soll das Personal in den nächsten Jahren weiter reduziert oder aufgestockt werden?

Pflanzungen und 2-Jahres Pflege der Jungbäume finden im Straßenland ausschließlich durch Firmen statt. In Grünanlagen vereinzelt auch noch durch eigene Mitarbeiter. Die weitere Pflege ist ein Mix aus Fremdvergabe und Eigenleistung.

Die Kontrolle der Straßenbäume wird ausschließlich durch die Straßenbaumkolonne durchgeführt (14 Personen, davon eine Meisterin, ein Vorarbeiter, eine Verwaltungskraft, zwei Schwerbeschädigte / Dauerkranke).

Das Personal soll auf keinen Fall weiter reduziert werden, vielmehr wäre eine personelle Verstärkung – besonders jüngerer Kollegen – absolut notwendig.

 

Zu 5. In welchem Umfang wird die Baumpflanzung und –pflege durch externe Firmen durchgeführt?

Es erfolgt eine Pflanzung zu 100% incl. einer 2-Jahrespflege.

 

Zu 6. Werden Qualifizierungsseminare für die Mitarbeiter_innen bezüglich Baumpflege und -Kontrolle durchgeführt? Wenn ja, wie häufig?

Es werden Angebote vom Pflanzenschutzamt und der VAK wahrgenommen, zudem wird die Teilnahme am Berliner Baumforum ermöglicht. Einzelne Qualifizierungen werden ebenso - wie z.B. der sog. AS I und AS II - durchgeführt. Für 2008 sind Weiterbildungen hinsichtlich VTA (Visual Tree Assessment) geplant.

 

Zu 7. Wie viel finanzielle Mittel stehen dem Bezirk jährlich für die gesamte Grünflächenpflege zur Verfügung? Wie viel wird hiervon für Baumpflanzung und –pflege verwendet?

Die Ausgaben der Unterhaltung 2006 belaufen sich auf ca. 1,79 Mio € bei weitestgehender Privatisierung und nur noch geringfügiger Eigenleistung. Da für die Baumpflanzung keine Eigenmittel zur Verfügung stehen, werden Neupflanzungen ausschließlich aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen realisiert. Für die Baumpflege 2006 wurden ca. 200.000 € (UK 113) für Firmenvergabe ausgegeben.

 

Zu 8. Mit welchem Preis wird  die Baumpflanzung und -pflege durch eigenes Personal kalkuliert, pro Baum für 2-3 Jahre?

Eine Preisermittlung kann nicht erfolgen, da keine Eigenleistung stattfindet.

 

Zu 9. Wie viel Mittel und Personal werden  benötigt, um die Defizite bei der Baumpflanzung und -pflege auszugleichen?

Pro leerer Baumscheibe ist mit Kosten zwischen 1.200,- und 1.500,- € inklusive einer 2-Jahrespflege zu rechnen, d.h. ca. 400.000,- € insgesamt (300 Stück Baumscheiben 2 x 1.350,-).

Die Defizite lassen sich in der Baumpflege nicht quantifizieren, da ein zu großer Unterschied zwischen optimaler Pflege eines Straßenbaumes in seinen verschiedenen Altersstadien und der zur Zeit i.d.R. lediglich durchgeführten Verkehrssicherungspflege besteht.

 

Zu 10. Wie viele Bäume konnten aus Mangel an finanziellen Mitteln jährlich nicht nachgepflanzt werden?

siehe Antwort 2 und 9

 

Zu 11. Wie hoch ist die Anzahl der Bäume, die durch private Spenden in den letzten drei Jahren finanziert wurden?

Es wurden in den letzten drei Jahren keine Bäume durch Spenden finanziert gepflanzt, da bei den erfolgten Angeboten nur die eigentliche Pflanze und weder Pflanzung noch vor allem auch keine Anwachspflege beinhaltet waren.

 

12.  Begrüßt das Bezirksamt das Engagement der Bürger_innen bei der Nachpflanzung von Bäumen? Entstehen hierbei Probleme, und wenn ja, welche?

Die Koordination und Abstimmung verursacht i.d.R. einen enormen Zeitaufwand. Denkbar ist lediglich, dass nach den Vorgaben vom NGA (Standort, Qualität, Art, Substrat) vom Spender direkt mit einer Fachfirma ein Vertrag abgeschlossen wird, wodurch gleich die komplette Leistung nebst 2-Jahres-Pflege bezahlt wird.

 

Zu 13. Werden Bürger_innen/Betroffenen über anstehende Fällungen und deren Gründe informiert?

a. Mit welchen Mitteln werden die Bürger_innen informiert?

b. Sind die Informationen zur Fällung öffentlich einsehbar?

Bei geplanten, umfangreicheren Maßnahmen wird über die Printmedien informiert (bisher kein Internet). Bei Einzelmaßnahmen erfolgt i.d.R. keine Information, da dies nach der Feststellung der Notwendigkeit zumeist zeitnahe Maßnahmen zur Verkehrssicherung sind; ggf. werden schriftliche/mündliche Hinweise an den Dezernenten der Abt. Bauwesen und an die BVV gegeben. Eine Veröffentlichung im Internet würde nur einen Teil der Bevölkerung erreichen und einen enormen Zeitaufwand verschiedener Beteiligter verursachen, zumal erfahrungsgemäß trotzdem die telefonischen Anfragen erfolgen würden.

Informationen über Fällungen liegen nicht öffentlich aus, können aber jederzeit telefonisch nachgefragt werden.

 

Blesing

Bezirksstadtrat

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