Kleine Anfrage (KA/145/XVIII): Zustand der Bäume und der Baumpflege im Bezirk Neukölln
Fragesteller: <link internal-link internal link in current>Kupfer, Martin
Eingang: 01. Juli 2011
Beantwortet: 27. Juli 2011
Zustand der Bäume und der Baumpflege im Bezirk Neukölln
Fehlende finanzielle Mittel und der Abbau des Personals auf Bezirksebene haben dazu geführt, dass der Baumbestand in Berlin tendenziell reduziert und durch allein auf Verkehrssicherheit ausgerichtete Maßnahmen, teilweise auch unsachgemäße Pflegeeingriffe, geschädigt wird, wie hat sich vor diesem Hintergrund die Situation der Bäume, besonders die der Straßenbäume, in unserem Bezirk im Jahr 2010 entwickelt?
- Wie viele Straßenbäume wurden im Bezirk im Jahr 2010 gefällt und nachgepflanzt? Wie hoch ist die aktuelle Zahl der Straßenbäume im Bezirk?
- Wird die Gesamtzahl der Straßenbäume im Bezirk auch noch durch andere Faktoren als Fällungen und Neupflanzungen beeinflusst? Wenn ja, welche Faktoren sind das?
- Gibt es im Bezirksamt ein digitales Baumkataster und welches Produkt wird genutzt? Wie viel Prozent der Straßenbäume im Bezirk sind in diesem Kataster erfasst? Wenn noch nicht der komplette Bestand erfasst ist, wann wird die Erfassung voraussichtlich abgeschlossen sein?
- Werden nur Straßenbäume oder auch Bäume in Parks und Grünanlagen in das Kataster aufgenommen? Wie viel Prozent der Bäume in Parks und Grünanlagen sind bereits erfasst?
- Werden Baumpflanzung, -pflege und -kontrolle im Bezirk durch das eigene Personal durchgeführt? Wenn ja, wie viele Leute umfasst das Team?
- Mit welchen Mitteln wurden Straßenbaumpflanzungen im Jahr 2010 bezahlt? Wie hoch ist der jeweilige Anteil an bezirkseigenen Mitteln, Spendengeldern und Geldern aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen?
- Wie hoch ist der jährliche Etat für die gesamte Grünflächenpflege im Bezirk? Wie viel wird hiervon für Straßenbaumpflanzung und ‑pflege verwendet?
- Welche zusätzlichen Mittel bzw. Personal würden sie jährlich benötigen, um die Defizite bei der Straßenbaumpflanzung und -pflege auszugleichen und das erforderliche fachliche Niveau nachhaltig zu sichern?
- Gibt es im Bezirk ein Schadmonitoring für Straßenbäume? Wie hoch ist der prozentuale Anteil des Gesamtbestands an den jeweiligen Zustandsbewertungs- bzw. Schadensklassen? Wie viel Prozent der Straßenbäume sind in ihrer Vitalität stark und sehr stark eingeschränkt?
- Wie viele Straßenbäume verfügen über technische Schutzeinrichtungen des erdnahen Stammbereichs bzw. der Baumscheibe?
- Wie hoch ist der prozentuale Anteil von 2010 durchgeführten Fällungen durch langfristige Schäden im wurzelnahen Bereich?
- Welche finanziellen Mittel hat der Bezirk im Jahr 2010 für besondere Schutzeinrichtungen von Stammfuß und Baumscheibe aufgewendet?
Einige Fragen sind allgemeiner Art oder teilweise in einzelnen Mitteilungen der Verwaltung schon beantwortet worden. Um eine zusammenfassende Beantwortung wird gleichwohl gebeten, um eine zentrale Auswertung und eine Vergleichbarkeit mit andern Bezirken zu ermöglichen
Antwort des Bezirksamtes:
Sehr geehrter Herr Kupfer,
Ihre Kleine Anfrage zum Thema Baumpflege in Neukölln beantworte ich wie folgt:
Zu 1. Wie viele Straßenbäume wurden im Bezirk im Jahr 2010 gefällt und nachgepflanzt? Wie hoch ist die aktuelle Zahl der Straßenbäume im Bezirk?
Im Jahr 2010 wurden 234 Straßenbäume gefällt und 69 Bäume nachgepflanzt. Aktuell gibt es 20.538 Straßenbäume in Neukölln.
Zu 2. Wird die Gesamtzahl der Straßenbäume im Bezirk auch noch durch andere Faktoren als Fällungen und Neupflanzungen beeinflusst? Wenn ja, welche Faktoren sind das?
Die Gesamtzahl der Straßenbäume wird neben Fällungen und Neupflanzungen durch Bestandskorrekturen (Anlagenbäume versus Straßenbäume, folglich Änderung der Grundstückszuordnung) beeinflusst.
Zu 3. Gibt es im Bezirksamt ein digitales Baumkataster und welches Produkt wird genutzt? Wie viel Prozent der Straßenbäume im Bezirk sind in diesem Kataster erfasst? Wenn noch nicht der komplette Bestand erfasst ist, wann wird die Erfassung voraussichtlich abgeschlossen sein?
und 3.a Werden nur Straßenbäume oder auch Bäume in Parks und Grünanlagen in das Kataster aufgenommen? Wie viel Prozent der Bäume in Parks und Grünanlagen sind bereits erfasst?
Es gibt im Naturschutz- und Grünflächenamt ein digitales Baumkataster, das mit der Software GAIA (Sachdatenbank) und YADE (geografische Datenbank) genutzt wird. Die Straßenbäume Neuköllns sind in vollem Umfang in beiden Datenbanken erfasst. Die Anlagenbäume konnten in YADE bereits zu 60 % erfasst werden, in der Fachsoftware GAIA wurde mit der Erfassung begonnen. Für die Anlagenbäume existieren derzeit noch Exceltabellen. Wann die komplette Registrierung abgeschlossen sein wird, kann momentan nicht beantwortet werden, da diese von den zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen abhängig ist.
Zu 4. Werden Baumpflanzung, -pflege und -kontrolle im Bezirk durch das eigene Personal durchgeführt? Wenn ja, wie viele Leute umfasst das Team?
Die Baumkontrolle aller Bäume (Straßenbäume und Anlagenbäume) wird mit eigenem Personal durchgeführt. Das Team umfasst derzeit 9 Mitarbeiter/innen. Die Baum-pflanzung sowie die Baumpflege können inzwischen bedauerlicherweise nur noch begrenzt durch die wenigen Mitarbeiter/innen des NGA wahrgenommen werden und müssen daher überwiegend von Fachfirmen des Garten- und Landschaftsbaus durchgeführt werden. Gerade in der Baumpflege wäre jedoch ein größeres Maß an Eigenleistung wünschenswert, weil nur so eine entwicklungsbezogene und nachhaltige Pflege sicher gestellt werden kann. Fachfirmen führen lediglich den konkreten Auftrag durch, die Aspekte der vorangegangenen Baumentwicklung noch deren Nachhaltigkeit für den Bezirk werden vernachlässigt. Hierbei steht nicht selten nur die wirtschaftliche Betrachtungsweise hinsichtlich der Möglichkeit eines lukrativen Folgeauftrages im Vordergrund.
Zu 5. Mit welchen Mitteln wurden Straßenbaumpflanzungen im Jahr 2010 bezahlt? Wie hoch ist der jeweilige Anteil an bezirkseigenen Mitteln, Spendengeldern und Geldern aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen?
Straßenbaumpflanzungen wurden in 2010 durch den Einsatz von Mitteln für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen finanziert. Als Besonderheit wurden für Straßenbaum-pflanzungen sowohl Mittel aus dem dualen System DASS in Höhe von 15.000 Euro verwendet als auch weitere 15.000 Euro aus der laufenden Unterhaltung eingesetzt. Die Höhe der Mittel aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen betrug 2010 insgesamt 79.000 Euro. Der jährliche Anteil ergab sich wie folgt:
| Bezirkseigene Mittel | 15.000 Euro |
| Spendengelder | keine |
| Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen | 79.000 Euro |
Zu 6. Wie hoch ist der jährliche Etat für die gesamte Grünflächenpflege im Bezirk? Wie viel wird hiervon für Straßenbaumpflanzung und ‑pflege verwendet?
und 6a.Welche zusätzlichen Mittel bzw. Personal würden sie jährlich benötigen, um die Defizite bei der Straßenbaumpflanzung und -pflege auszugleichen und das erforderliche fachliche Niveau nachhaltig zu sichern?
Der jährliche Etat für die gesamte Grünflächenpflege und –unterhaltung im Bezirk betrug im Jahr 2010 2.905.000 Euro. Für die Straßenbaumpflanzung und –pflege wurden hiervon schätzungsweise 150.000 Euro verwendet.
Es würden mindestens zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von 300.000 Euro benötigt, um Defizite bei der Straßenbaumpflanzung und insbesondere bei der Straßenbaumpflege auszugleichen und das erforderliche fachliche Niveau nachhaltig zu sichern.
Zu 7. Gibt es im Bezirk ein Schadmonitoring für Straßenbäume? Wie hoch ist der prozentuale Anteil des Gesamtbestands an den jeweiligen Zustandsbewertungs- bzw. Schadensklassen? Wie viel Prozent der Straßenbäume sind in ihrer Vitalität stark und sehr stark eingeschränkt?
Ein Schadmonitoring für Straßenbäume wird bedingt über die regelmäßige Baumansprache dokumentiert, da hier Schäden aufgenommen und registriert werden. Der prozentuale Anteil des Gesamtbestands an den jeweiligen Zustandsbewertungs- und Schadensklassen sieht derzeit wie folgt aus:
| Stufe 1: | gesund | 20,35 % |
| Stufe 2: | geschwächt | 55.90 % |
| Stufe 3: | sehr geschwächt | 22,30 % |
| Stufe 4: | abgängig | 1,46 % |
| Stufe 5: | tot | 0,00 % |
(Im Straßenland müssen tote Bäume sofort aus Gründen der Verkehrssicherheit entfernt werden. In Grünanlagen sowie im Vegetationsbestand sieht es muss dies nicht erfolgen, da „stehendes“ Totholz einen hohen ökologischen Wert hat.)
Zu 8. Wie viele Straßenbäume verfügen über technische Schutzeinrichtungen des erdnahen Stammbereichs bzw. der Baumscheibe?
und 8a. Wie hoch ist der prozentuale Anteil von 2010 durchgeführten Fällungen durch langfristige Schäden im wurzelnahen Bereich?
und 8b. Welche finanziellen Mittel hat der Bezirk im Jahr 2010 für besondere Schutzeinrichtungen von Stammfuß und Baumscheibe aufgewendet?
Wie viele Straßenbäume über technische Schutzeinrichtungen im erdnahen Stammbereich bzw. der Baumscheiben verfügen, kann aufgrund fehlender Erhebungen nicht benannt werden.
Der prozentuale Anteil der im Jahr 2010 durchgeführten Fällungen aufgrund langfristiger Schäden im wurzelnahen Bereich (Stockfäule und Pilze) beträgt etwa 16 %.
Ein Mitteleinsatz im Jahr 2010 für besondere Schutzeinrichtungen am Stammfuss/ an der Baumscheibe ist nicht erfolgt.
Mit freundlichen Grüßen
Blesing
Bezirksstadtrat
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